
Strategie & Handwerk
Werbebudget verteilen: die 70-20-10-Regel
Drei Töpfe statt einer Zahl. Wie Sie ein Werbebudget so aufteilen, dass laufendes Geschäft, Wachstum und Experimente sich nicht gegenseitig auffressen.
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In jedem Abschwung wird als Erstes das Werbebudget gekürzt. Untersuchungen aus mehreren Jahrzehnten zeigen ziemlich einheitlich, dass das teuer wird.

In jedem Abschwung folgt auf die erste schlechte Zahl dieselbe Reaktion: Marketing wird gekürzt, weil es der Posten ist, der sich ohne Kündigungsfristen und ohne Vertragsstrafen sofort reduzieren lässt. Diese Reaktion ist verständlich und in ihren Folgen gut dokumentiert.
Analysen von Werbeverhalten über mehrere Rezessionen hinweg, beginnend in den Zwanzigerjahren, kommen zu einem wiederkehrenden Befund: Unternehmen, die ihre Werbung im Abschwung aufrechterhielten oder ausweiteten, hatten im folgenden Aufschwung überdurchschnittliche Marktanteile und Umsätze.
Die Erklärung ist nicht mystisch. Sie hat drei Bestandteile:
Halten heißt nicht, unverändert weiterzumachen. Drei Anpassungen sind sinnvoll:
Botschaft. In unsicheren Zeiten gewinnen Argumente, die Risiko senken: Festpreis, Garantie, Verfügbarkeit, Erreichbarkeit. Argumente, die Status oder Luxus betonen, verlieren.
Verhältnis. Verschieben Sie zeitweise Richtung Abverkauf, etwa von 60 zu 40 auf 45 zu 55. Nicht auf null bei der Marke, weil sonst der Nachlauf fehlt.
Zielgruppe. Bestandskunden werden wichtiger. Der Aufwand, einen bestehenden Kunden zu halten, ist ein Bruchteil dessen, einen neuen zu gewinnen, und in der Krise steigt dieser Unterschied.
Wenn gekürzt werden muss, dann in dieser Reihenfolge:
| Rang | Was | Warum |
|---|---|---|
| 1 | Ungeprüfte Kanäle ohne Messung | keine belegbare Wirkung |
| 2 | Sponsoring ohne Gegenleistung | reine Ausgabe |
| 3 | Messen und Veranstaltungen | hohe Fixkosten je Kontakt |
| 4 | Produktion neuer Motive | Bestehendes länger nutzen |
| 5 | Reichweitenkanäle | Wirkung mit Verzögerung |
| 6 | Abverkaufskanäle mit belegter Rendite | zuletzt, nie ganz |
Punkt vier ist der unterschätzte Sparhebel. Bestehende Motive länger laufen zu lassen kostet etwas Wirkung und spart erhebliche Produktionskosten.
Zwei Dinge, die wenig kosten und danach tragen: eine eigene Kontaktliste und redaktionelle Sichtbarkeit. Beides ist Arbeit statt Budget und wirkt genau dann, wenn der Markt wieder anzieht.
Legen Sie in guten Zeiten schriftlich fest, was bei einem Umsatzrückgang von 10, 20 und 30 Prozent mit dem Werbebudget geschieht. Diese Festlegung im Voraus ist der einzige Weg, im Ernstfall nicht aus Reflex zu handeln. Sie dauert eine Stunde und ist der wirksamste Krisenschutz, den Marketing kennt.
Wenn die Liquidität fehlt, entscheidet sie. Die Frage ist nur, ob gekürzt wird, weil es nötig ist, oder aus Reflex. Diese Unterscheidung trifft man vorher, nicht im Moment.
Zuerst das, was Sie nicht messen können und nie geprüft haben. Zuletzt das, was nachweislich Aufträge bringt.
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