
Strategie & Handwerk
Werbebudget verteilen: die 70-20-10-Regel
Drei Töpfe statt einer Zahl. Wie Sie ein Werbebudget so aufteilen, dass laufendes Geschäft, Wachstum und Experimente sich nicht gegenseitig auffressen.
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Prozent vom Umsatz ist die verbreitetste und schlechteste Methode. Drei bessere Wege, eine Zahl zu bestimmen, die zum Betrieb passt.

Die Frage nach der richtigen Höhe des Werbebudgets wird in den meisten Betrieben mit einem Prozentsatz vom Vorjahresumsatz beantwortet. Diese Methode ist bequem, verbreitet und in ihrer Logik verkehrt herum.
Der Umsatz des Vorjahres ist das Ergebnis vergangener Werbung. Wenn er sinkt, sinkt nach dieser Methode auch das Werbebudget. Sie kürzen also genau in dem Moment, in dem Sie am dringendsten Nachfrage bräuchten. Der Effekt verstärkt sich selbst und wird über zwei oder drei Jahre schwer umkehrbar.
Diese Methode ist die einzige, die eine begründbare Zahl liefert.
Ein Beispiel: 60 zusätzliche Aufträge, 1.800 Euro Deckungsbeitrag, drei Anfragen je Auftrag, 55 Euro je Anfrage. Das ergibt 180 Anfragen zu 9.900 Euro, also 165 Euro Werbekosten je Auftrag oder 9 Prozent des Deckungsbeitrags. Das ist vertretbar.
Wenn Sie wissen, wie groß Ihr Markt ist und welchen Anteil Sie halten, lässt sich ein Zielanteil an der Werbeausgabe des Marktes ableiten. Wer Marktanteil gewinnen will, muss einen überproportionalen Werbeanteil halten, üblicherweise das 1,3- bis 1,5-Fache des angestrebten Marktanteils.
Diese Methode ist im lokalen Geschäft schwer anwendbar, weil die Zahlen fehlen. Im B2B mit überschaubarem Wettbewerb funktioniert sie.
Oft ist die richtige Frage nicht, wie viel Sie insgesamt ausgeben, sondern wie viele Kanäle Sie sich leisten können.
| Kanal | Sinnvolles Mindestbudget je Monat |
|---|---|
| Suchanzeigen lokal | 400 bis 800 € |
| Suchanzeigen B2B | 1.500 bis 3.000 € |
| Soziale Netzwerke | 600 bis 1.200 € |
| Bewegtbild | 800 bis 2.000 € |
| Plakat lokal | 900 bis 2.500 € |
| Radio regional | 3.000 bis 8.000 € |
| Fachzeitschrift | 1.200 bis 4.000 € |
Wer 1.500 Euro im Monat hat, kann genau einen Kanal ernsthaft betreiben oder zwei schlecht. Die Entscheidung für einen ist fast immer die bessere.
Ein Werbebudget besteht nicht nur aus Mediakosten. Rechnen Sie ein:
Ein Budget von 5.000 Euro, das vollständig in Mediakosten fließt, hat keine Motive und keine Messung. Realistisch sind dann 3.200 bis 3.500 Euro Media.
Zwischen 2 und 5 Prozent im etablierten Mittelstand, 8 bis 15 Prozent bei Wachstumszielen, über 20 Prozent bei Markteintritt. Diese Werte sind eine Plausibilitätsprüfung, keine Planungsgrundlage.
Kanäle streichen, nicht Budgets verdünnen. Ein Kanal mit ausreichendem Budget schlägt vier mit jeweils zu wenig.
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