
Strategie & Handwerk
Werbebudget verteilen: die 70-20-10-Regel
Drei Töpfe statt einer Zahl. Wie Sie ein Werbebudget so aufteilen, dass laufendes Geschäft, Wachstum und Experimente sich nicht gegenseitig auffressen.
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Wer weiß, was ein Kunde über drei Jahre wert ist, darf für die Gewinnung deutlich mehr ausgeben als der Wettbewerber, der nur den Erstauftrag sieht.

Zwei Betriebe bieten auf denselben Suchbegriff. Der eine weiß, dass ein gewonnener Kunde über drei Jahre 4.200 Euro Deckungsbeitrag bringt. Der andere sieht nur den ersten Auftrag mit 600 Euro. Der erste kann in der Auktion das Mehrfache bieten und gewinnt jedes Mal.
Sie brauchen kein Kundenverwaltungssystem. Drei Zahlen aus der Buchhaltung reichen.
Das Ergebnis ist der durchschnittliche Kundenwert über drei Jahre. Diese Rechnung dauert einen Vormittag und verändert in vielen Betrieben die gesamte Werbeplanung.
Ein Sanitärbetrieb: 100 Neukunden vor drei Jahren, davon 41 mit mindestens einem Folgeauftrag. Gesamtumsatz dieser 100 Kunden über drei Jahre: 384.000 Euro, also 3.840 Euro je Kunde. Bei 32 Prozent Deckungsbeitrag sind das 1.229 Euro je Kunde.
Wenn der Betrieb bereit ist, 20 Prozent des Kundenwerts in die Gewinnung zu stecken, darf ein Neukunde 246 Euro kosten. Bisher hatte man mit 90 Euro gerechnet, abgeleitet vom Erstauftrag.
| Bereich | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Gebotsobergrenze | vom Erstauftrag abgeleitet | vom Kundenwert abgeleitet |
| Bewertung von Kanälen | Kosten je Anfrage | Kosten je gewonnenem Kunden |
| Umgang mit Bestandskunden | wenig Budget | eigener Etat, weil rentabelst |
| Preisnachlass bei Erstauftrag | vermieden | rechnerisch begründbar |
Die letzte Zeile ist folgenreich. Wenn ein Erstauftrag mit knapper Marge zu 41 Prozent Folgeaufträge nach sich zieht, ist er eine Investition und keine schlechte Kalkulation.
Ein Durchschnittswert verdeckt große Unterschiede. Berechnen Sie den Wert getrennt nach:
Die zweite Zeile führt oft zur wichtigsten Erkenntnis: Es gibt Einstiegsleistungen, die für sich kaum Geld bringen und zuverlässig zu wertvollen Kunden führen. Genau diese gehören beworben.
Der Kundenwert ist eine Rückschau. Er unterstellt, dass sich künftige Kunden wie vergangene verhalten. Bei sich änderndem Angebot, neuen Wettbewerbern oder veränderter Preisstruktur trifft das nur eingeschränkt zu.
Rechnen Sie deshalb konservativ, nutzen Sie drei statt fünf Jahre, und überprüfen Sie die Zahl jährlich. Auch eine vorsichtige Schätzung ist der Steuerung nach Erstauftrag weit überlegen.
Aus der Buchhaltung: Umsatz je Kunde über drei Jahre, mal Deckungsbeitragsquote. Das reicht als Steuerungsgröße völlig aus.
Drei Jahre sind ein guter Kompromiss. Längere Zeiträume sind rechnerisch attraktiver und praktisch zu unsicher.
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