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Typografie, die gelesen wird

Die Schriftwahl ist der sichtbarste und am wenigsten beachtete Teil jeder Werbung. Fünf Einstellungen entscheiden darüber, ob ein Text gelesen wird.

21.06.2026 2 Min. Lesezeit 391 Wörter
Typografie, die gelesen wird

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeilenlänge ist wichtiger als Schriftart: 60 bis 75 Zeichen sind das Optimum.
  • Zeilenabstand von 150 Prozent der Schriftgröße ist der Standard, nicht 100.
  • Zwei Schriften reichen für jede Anwendung.

Über Schriftarten wird viel diskutiert und wenig gemessen. Tatsächlich hängt die Lesbarkeit eines Textes weit stärker von seiner Anordnung ab als von der Wahl der Schrift.

Die fünf Einstellungen, auf die es ankommt

EinstellungEmpfehlungHäufiger Fehler
Zeilenlänge60 bis 75 Zeichenvolle Breite über 1.400 px
Zeilenabstand145 bis 165 %100 bis 120 %
Schriftgröße Bildschirm16 bis 19 px13 bis 14 px
Absatzabstand0,8 bis 1,2 Zeilenkeiner, nur Einzug
AusrichtunglinksbündigBlocksatz ohne Silbentrennung

Die erste Zeile ist die wirksamste. Ein Text, der über die volle Breite eines großen Bildschirms läuft, wird schlechter gelesen, weil das Auge beim Zeilenwechsel die nächste Zeile verliert.

Zeilenlänge in der Praxis begrenzen

Auf einer Website erreichen Sie das über eine Maximalbreite des Textbereichs, üblicherweise 65 bis 75 Zeichen, was etwa 640 bis 760 Pixel entspricht. Der Rest der Seite darf breiter sein, der Fließtext nicht.

Im Druck bedeutet das bei A4 entweder große Ränder oder zweispaltigen Satz.

Blocksatz ohne Silbentrennung ist der häufigste Druckfehler

Blocksatz erzeugt eine gerade rechte Kante, indem Wortabstände gedehnt werden. Ohne Silbentrennung entstehen dabei große Löcher, die sich über mehrere Zeilen zu sichtbaren Bahnen verbinden.

Für Bildschirmtexte gilt: linksbündig, immer. Für Druck: Blocksatz nur mit aktivierter Silbentrennung und nur bei ausreichender Zeilenlänge.

Wenn Sie in einem Textblock mit den Augen weiße Flüsse von oben nach unten sehen, hat der Blocksatz keine Silbentrennung. Das ist in zwei Klicks behoben und fällt sonst jedem auf.

Zwei Schriften reichen

Eine für Überschriften, eine für Text. Wenn Sie eine dritte brauchen, brauchen Sie meist eine andere Struktur.

Kombinationen, die verlässlich funktionieren:

  1. Eine kräftige Grotesk für Überschriften, eine ruhige Grotesk für Text.
  2. Eine Serifenschrift für Überschriften, eine Grotesk für Text.
  3. Eine einzige Familie in mehreren Schnitten, etwa 300, 500 und 800.

Variante drei ist die sicherste und wird unterschätzt. Eine gut ausgebaute Schriftfamilie liefert genug Abwechslung.

Hierarchie über Größe und Gewicht, nicht über Farbe

Eine Überschrift wird durch Größe und Fettung zur Überschrift, nicht durch eine andere Farbe. Farbige Überschriften wirken schnell bunt und verlieren an Ernst.

Bewahren Sie Farbe für das eine Element auf, das Aufmerksamkeit braucht, meist die Handlungsaufforderung.

Schriften rechtlich und technisch sauber einbinden

Zwei Punkte, die regelmäßig übersehen werden:

  • Lizenz. Eine Schrift für den Druck ist nicht automatisch für Websites lizenziert. Weblizenzen werden häufig nach Seitenaufrufen abgerechnet.
  • Datenschutz. Schriften von externen Servern übertragen die IP-Adresse der Besucher an Dritte. Laden Sie Schriftdateien deshalb auf den eigenen Server und binden Sie sie lokal ein. Das ist zugleich schneller.

Häufige Fragen

Serifen oder serifenlos?

Am Bildschirm ist der Unterschied bei guten Schriften vernachlässigbar. Im Druck lesen sich Serifenschriften in langen Texten etwas leichter. Wichtiger sind Größe und Zeilenabstand.

Wie groß muss Text mindestens sein?

Am Bildschirm 16 Pixel für Fließtext, im Druck 9 bis 11 Punkt. Kleiner nur für Pflichtangaben.

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