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Sichtbarkeit messen statt Einblendungen zählen

Eine ausgelieferte Anzeige ist keine gesehene Anzeige. Zwischen beidem liegen in schlechten Belegungen mehr als die Hälfte des Budgets.

08.06.2026 2 Min. Lesezeit 366 Wörter
Sichtbarkeit messen statt Einblendungen zählen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Branchendefinition von Sichtbarkeit ist erschreckend niedrig: 50 Prozent der Fläche für eine Sekunde.
  • Verlangen Sie vertraglich 70 Prozent sichtbare Einblendungen, sonst zahlen Sie für Nichtsehen.
  • Aufmerksamkeitsmessung ist der nächste Schritt und heute schon buchbar.

Die Branche zählt Einblendungen. Eine Einblendung entsteht, wenn eine Anzeige ausgeliefert wird, unabhängig davon, ob ein Mensch sie sehen konnte. Das ist der Kern eines Missverständnisses, das Werbetreibende jedes Jahr erhebliche Summen kostet.

Was Sichtbarkeit offiziell bedeutet

Die gängige Branchendefinition verlangt für ein Bild, dass 50 Prozent der Anzeigenfläche für mindestens eine Sekunde im sichtbaren Bereich waren. Für Bewegtbild sind es 50 Prozent der Fläche für zwei Sekunden.

Diese Schwelle ist niedrig. Eine Anzeige, die zur Hälfte für eine Sekunde am unteren Bildrand vorbeirauscht, gilt als sichtbar.

Sichtbar im Sinne der Definition bedeutet nicht gesehen. Es bedeutet lediglich, dass Sehen theoretisch möglich war.

Was tatsächlich passiert

Typische Sichtbarkeitsquoten in der Praxis:

UmfeldSichtbarkeitsquote
Direktbuchung Qualitätsmedium70 bis 85 %
Privater Marktplatz60 bis 75 %
Offene Auktion40 bis 60 %
Mobile Anwendungen, Standard30 bis 55 %
Bewegtbild in Qualitätsumfeld70 bis 90 %

Bei 45 Prozent Sichtbarkeit zahlen Sie für 1.000 Einblendungen und bekommen 450 Chancen. Der scheinbar günstige Tausenderkontaktpreis von 2 Euro entspricht dann einem effektiven Preis von 4,44 Euro.

Die Rechnung, die Sie anstellen sollten

Vergleichen Sie Angebote nie über den Tausenderkontaktpreis, sondern über den Preis je sichtbarem Kontakt.

  1. Angebot A: 2,00 Euro TKP bei 45 Prozent Sichtbarkeit ergibt 4,44 Euro effektiv.
  2. Angebot B: 3,50 Euro TKP bei 82 Prozent Sichtbarkeit ergibt 4,27 Euro effektiv.

Angebot B ist günstiger und liefert zusätzlich ein besseres Umfeld. Diese Rechnung dreht in der Praxis regelmäßig die Rangfolge um.

Wie Sie messen

Verlassen Sie sich nicht auf die Angaben des Verkäufers. Ein unabhängiger Prüfdienst kostet ein bis drei Prozent des Budgets und liefert drei Werte, die zusammen ein Bild ergeben: Sichtbarkeitsquote, Anteil ungültigen Verkehrs und Umfeldeignung.

Vereinbaren Sie zusätzlich eine Nachvergütung: Wenn die gemessene Sichtbarkeit unter dem zugesagten Wert liegt, liefert der Vermarkter kostenlos nach. Das ist marktüblich und wird selten von allein angeboten.

Der nächste Schritt: Aufmerksamkeit

Sichtbarkeit sagt, ob eine Anzeige sichtbar war. Aufmerksamkeitsmessung versucht zu erfassen, ob jemand tatsächlich hingesehen hat, über Blickverfolgung in Testgruppen, Verweildauer im Sichtbereich und Interaktionssignale.

Erste Erkenntnisse aus diesen Verfahren sind für die Planung wichtiger als die Sichtbarkeitsdebatte: Große Formate erzeugen überproportional mehr Aufmerksamkeitssekunden, und Aufmerksamkeitssekunden korrelieren deutlich besser mit Markenwirkung als Einblendungen. Ein Format, das doppelt so teuer ist und viermal so viele Aufmerksamkeitssekunden liefert, ist die günstigere Wahl.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Sichtbarkeitsquote?

Über 70 Prozent ist gut, über 80 Prozent sehr gut. Unter 50 Prozent sollten Sie die Belegung wechseln, nicht das Motiv.

Kann man Sichtbarkeit garantieren lassen?

Ja. Viele Vermarkter bieten Abrechnung nur auf sichtbare Einblendungen an. Der Tausenderkontaktpreis steigt dabei, die Kosten je gesehenem Kontakt sinken meistens.

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